Artikel und Beiträge von Brigitte Schumann

Auch Österreich verweigert die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Schulbereich

Wappen Österreich

Große Parallelen zu der deutschen Situation tun sich auf, blickt man in das Nachbarland Österreich. Hier wie dort hat die UN-Menschenrechtskonvention einen politischen Streit über die Zukunft der Sonder-/Förderschulen ausgelöst.  Während die mit dem Monitoring  offiziell beauftragten Stellen sowie Organisationen der Behinderten in beiden Ländern einen Plan zur Auflösung der Sonderschulen einfordern, fehlt es hier wie dort an dem notwendigen politischen Willen. Unterschiede gibt es allerdings in den staatlichen Rahmenbedingungen für die Beobachtung und Begleitung des Umsetzungsprozesses.  Weiterlesen »

Über die Paradoxie von Inklusion und Selektion im gegliederten Schulsystem

Der Gemeinsame Unterricht in den weiterführenden Schulen verfehlt ohne Steuerung und Implementationsstrategie das Ziel der Inklusion

Die Erkenntnis, dass sich mit der Gliedrigkeit in der Sekundarstufe in allen Bundesländern Barrieren für ein diskriminierungsfreies gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen auftun, ist eigentlich nicht neu.  Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen mit Bezug auf NRW enthalten jedoch Problemanzeigen und Empfehlungen, die endlich Anlass für alle Bundesländer sein sollten, die Praxis des gemeinsamen Lernens in den weiterführenden Schulen unter dem Inklusionsgebot der UN-BRK gründlich unter die Lupe zu nehmen und bildungspolitische Weichen für eine inklusive Unterrichts- und Schulentwicklung zu stellen.  

Im Schuljahr 2009/10 wurden laut Gutachten der Professoren Klemm und Preuss-Lausitz in NRW lediglich 12, 3 %  der Kinder  mit Behinderungen (ohne Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung) in den weiterführenden Schulen unterrichtet. Weiterlesen »

Ein inklusives Bildungssystem braucht inklusive Schulen, aber keine sonderpädagogischen Kompetenzzentren

Plakat Inklusion für Alle

So lässt sich das Gutachten von Prof. Werning über die Eignung der nordrhein-westfälischen Kompetenzzentren zur Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems zusammenfassen, das er im Auftrag des NRW Schulministeriums erstellt hat. Weiterlesen »

Schulfrieden in NRW

Rot-Grün macht Frieden mit dem gegliederten Schulsystem und will es als schützenswertes Gut in der Landesverfassung verankern

Mit der Anerkennung der UN- Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gilt seit dem 26. März 2009 auch für NRW die Verpflichtung, die Aussonderung von Kindern mit Behinderungen unverzüglich zu beenden und das selektive gegliederte Schulsystem schrittweise zu einem inklusiven System für alle Kinder zu entwickeln. Wie die Regierungen der anderen Bundesländer hat sich auch die rot-grüne Landesregierung von NRW diesem umfassenden Reformauftrag mit der bildungspolitisch gewollten Verkürzung und Beschränkung des Inklusionsverständnisses auf die Gruppe der Kinder mit Behinderungen entzogen. Schon vor der Regierungsbildung deutete sich an, dass die Koalitionäre nicht willens sein würden, die Menschenrechtskonvention umfassend auszulegen und damit den Weg zu „einer Schule für alle“ politisch und rechtlich zu ebnen. Weiterlesen »

Gutachten für NRW Schulministerium schlägt Inklusionsquote von 85 % bis zum Jahr 2020 als Zielmarke vor

Als Zielperspektive empfehlen die Gutachter Klaus Klemm und Ulf Preuss-Lausitz in einem vom nordrhein-westfälischen Schulministerium in Auftrag gegebenen Gutachten zur Umsetzung der UN-BRK und des darin verankerten individuellen Rechts auf inklusive Bildung, eine Inklusionsquote von 85 % bis zum Jahr 2020 anzustreben. Weiterlesen »

Zwangszuweisungen zur Förderschule sind auch in NRW noch möglich

Menschen bei Demo mit Schildern, gleiches Schulrecht für alle

Rot-Grün ist in NRW mit dem Versprechen gestartet, die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung vollständig umzusetzen. Dazu gehört auch das Recht auf gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung in allgemeinen Schulen. Als Sofortmaßnahme haben Elterninitiativen und das NRW-Bündnis „Eine Schule für alle“ von der neuen Landesregierung mit Nachdruck ein Ende der Zwangszuweisungen zur Förderschule gefordert.

Wie notwendig diese Forderung ist, beweist das Verhalten der Kölner Schulaufsicht. Just in der Zeit des Regierungswechsels verfügte diese etliche Zwangsmaßnahmen. Die türkischstämmigen Eltern der kleinen Begum z.B. bekamen den Bescheid, dass die Grundschülerin die Förderschule für Lernen mit sofortigem Vollzug besuchen müsse. Dabei war in dem vorausgegangenen Verfahren der sonderpädagogische Förderbedarf bei der Schülerin zwar festgestellt, aber als Förderort der Gemeinsame Unterricht in der Grundschule gutachterlich empfohlen worden. Weiterlesen »

"Niemand darf verloren gehen!" - Offener Brief von Brigitte Schumann an die EKD-Synode | evangelisch.de

Fünfmal inklusive Bildung fordert Bildungsjournalistin Brigitte Schumann in ihrem offenen Brief an die EKD-Synode im November 2010. Ihre fünf Thesen greifen das Schwerpunktthema der Synode vom 7.-10. November in Hannover auf: "'Niemand darf verloren gehen!' - Zur Bedeutung der Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit."

Für Menschenrecht auf gemeinsames Lernen: Integriert die Gymnasiasten! - Taz-Beitrag von Brigitte Schumann

Viel ist derzeit von Integration die Rede. Meist ist damit die Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft gemeint. Aber Integration hat viele Facetten. Dazu gehört die Frage, wie Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird.
Deren Rechte zu stärken ist das Anliegen der UN-Behindertenrechtskonvention. Sie fordert ein Recht auf inklusive Bildung, versteht dies jedoch ausdrücklich nicht als Spezialrecht für Menschen mit Behinderungen, sondern als allgemeines Menschenrecht. Das Recht auf gemeinsames Lernen sollte auch für alle anderen gelten - unabhängig von Elternhaus und Einkommen, sozialer, kultureller oder ethnischer Herkunft und individuellen Fähigkeiten. Inklusive Bildung, wie sie die UN für Kinder mit Behinderungen fordert, ist aber an die Existenz einer "Schule für alle" gebunden.

Trostlose Gemengelage

Bundesländer nehmen ihre völkerrechtliche Verpflichtung zur Gewährleistung inklusiver Bildung nicht ernst
Wappen Bremen
Wappen Nordrhein-Westfalen
Wappen Sachsen
Wappen Bayern
Wappen Baden-Würtemberg

Was über die Kultusministerkonferenz (KMK) und ihr Verhältnis zur UN-Behindertenrechtskonvention zu sagen ist, gilt auch für die einzelnen Bundesländer: Es fehlt nicht an Inklusionsrhetorik, wohl aber an Substanz.

Mit Ausnahme von Bremen und Schleswig-Holstein unter der ehemaligen Kultusministerin Erdsiek-Rave haben alle Bundesländer den Paradigmenwechsel der UN-Konvention bislang entweder gar nicht oder nur in unterschiedlich unzulänglicher Weise in ihren rechtlichen und konzeptionellen Überlegungen nachvollzogen. Die Konvention fordert im Interesse des Kindeswohls die Anerkennung und Realisierung des einklagbaren individuellen Rechts auf inklusive Bildung für Kinder mit Behinderungen ohne Diskriminierung und auf der Basis von Chancengleichheit. Ein vergleichbares Recht der Eltern, zwischen Förderschule und Regelschule zu wählen, sieht die Konvention nicht vor. Weiterlesen »

Deutsche UNESCO- Kommission hat Expertenkreis Inklusive Bildung gegründet

Interview mit Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission
Prof. Dr. Christoph Wulf, UNESCO

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat einen Expertenkreis „Inklusive Bildung“ gegründet. Er soll die Umsetzung inklusiver Bildung bundesweit durch gemeinsame Initiativen vorantreiben. Der Kreis wird Kompetenz und Erfahrungen, die in der Wissenschaft, Praxis und Politik bereits bestehen, stärker miteinander vernetzen. Der Sprecherrat des Expertenkreises hat erstmals am 13. Juli 2010 in Berlin getagt. Weiterlesen »